Der ambulante Pflegedienst ist im Februar 2026 seit einem Jahr am Markt aktiv. Ein Rück- und Ausblick mit Andrea Plege-Waldeyer, Leitung des Gräflichen Pflegedienstes.

Wie würden Sie das erste Jahr des ambulanten Pflegedienstes zusammenfassen?

Es war tatsächlich nicht so ein leichter Start wie gedacht. Sicher ist die Pflegebedürftigkeit gegeben, aber wir sind nun eben auch nicht der erste ambulante Pflegedienst in Bad Driburg. Wir haben viel Zeit mit Akquise und Bürokratie verbracht. Dies ist notwendig, um nachhaltig am Markt zu bestehen und beim Aufbau ein normaler Vorgang. Wir haben inzwischen einen ansehnlichen Kundenstamm und auch in Sachen Personal sind wir mit vier Vollzeitkräften und fünf Teilzeitkräften qualitativ sehr gut aufgestellt. Generell hatten wir Höhen und Tiefen, was ich aber als ganz normal ansehe.  

Wie wird das Angebot angenommen?

Unser Team ist derzeit viele gut ausgelastet, wobei die Zahl der Patienten von Monat zu Monat schwankt und die Versorgung sehr unterschiedlich ist: Eine Komplettkörperpflege braucht viel mehr Zeit als eine Medikamentenausgabe und das Anziehen von Thrombosestrümpfen. Wir werden gut angenommen, können aber noch weitere Patienten aufnehmen.

In welchem Radius sind Sie unterwegs und wie ist Ihre Patientenstruktur?

Wir fahren in einem Radius von 30 km rund um Bad Driburg. Unsere jüngste Patientin ist gerade mal 21 Jahre alt, die ältesten sind über 90. Zu unseren Aufgaben gehört auch ganz viel Zuhören. Zum Beispiel sind wir auch in Flüchtlingsheimen unterwegs. Da sind Patienten, die sozial, psychisch und traumatisch belastet sind, das ist noch einmal eine ganz andere Herausforderung. Zudem gehört auch die Alltagsbegleitung psychisch kranker Patienten zu unserem Aufgabenspektrum.

Gibt es Meilensteine, die Sie im ersten Jahr erreicht haben?

Ja, auf jeden Fall. Bei der ersten Pflichtprüfung durch den Medizinischen Dienst haben wir gut abgeschnitten. Bei der Qualität der pflegerischen Versorgung, die bei den Patienten vor Ort abgefragt wird, haben wir sehr gute Ergebnisse erzielt. Wo wir nachbessern bzw. weiter ausbauen müssen, ist das Qualitätsmanagement.  

Was ist am meisten gefragt?

Wundversorgung. Und, was absolut boomt ist die Hauswirtschaft. Da könnte ich auch noch Mitarbeitende in Teilzeit gebrauchen, eine pflegerische Ausbildung ist dafür nicht notwendig. In der Hauswirtschaft geht es darum, Alltagstätigkeiten wie Spülen, Staubsaugen und Aufräumen zu verrichten. Je nach Patient und Krankheitsbild kann es auch darum gehen, notwendige Strukturen für den Patienten in seinen eigenen vier Wänden anzulegen.

Was zeichnet den Gräflichen Pflegedienst aus?

Wir sind immer erreichbar und freundlich und legen großen Wert auf ein vertrauensvolles Verhältnis. Viele Patienten haben Ängste, die wir ihnen schnell nehmen können. Unsere Patienten wissen das sehr zu schätzen – und ich würde das nicht so sagen, wenn mir das nicht auch so gespiegelt würde. Wir sind mobil gut erreichbar und können sofort Fragen beantworten und so häufig schnell weiterhelfen. Das liegt wohl auch in der Natur des Berufes, den ich aus Leidenschaft gewählt habe. Was wir außerdem bieten: Wir organisieren die Betreuung so, dass jeder Patient einen festen Bezugspfleger oder eine Bezugspflegerin hat, das bietet Beständigkeit und Sicherheit.

Worauf sind Sie stolz?

Auf das gute Feedback aus den Reihen der Patienten. Wir bekommen häufig gesagt, dass neben der Fachkompetenz unsere Offenheit und positive Ausstrahlung punkten. Die Menschen mögen das, wir sind ansprechbar, empathisch und können auch mal Quatsch machen. Darüber hinaus höre ich inzwischen immer häufiger, dass die Patienten sich „gräflich versorgt und behandelt“ fühlen. Unsere Zuverlässigkeit und Schnelligkeit wissen sie sehr zu schätzen und deuten das absolut positiv. Auch die gleichbleibende Bezugsperson spielt uns da in die Karten.

Wie wirkt sich die Anbindung an die drei Standorte der Gräflichen Kliniken Bad Driburg vor Ort aus? 

Unsere Grundidee, nämlich das Konzept gegenseitiger Unterstützung, ist voll aufgegangen. Die Spezialisierung, Ausstattung und das Know-how der Gräflichen Kliniken Bad Driburg im ärztlichen und pflegerischen Bereich nehmen wir bei Bedarf in Anspruch. Neulich zum Beispiel hatte ich ein langes Gespräch mit einer Ärztin aus der Caspar Heinrich Klinik sowie eine sehr gute medizinische Beratung durch einen Arzt aus der Marcus Klinik.

Sie hatten eine eigene Palliativversorgung geplant. Wie sieht es damit aus?

Wir haben die Qualifikation, palliativ zu arbeiten und tun das auch, gar keine Frage. Aber die erforderlichen Auflagen für eine eigene Palliativstation sind sehr hoch. Da steckt viel Bürokratie hinter und das geforderte Fundament – rein in der Anzahl der angestellten Personen – ist wahnsinnig hoch. Für 2026 konzentrieren wir uns erst einmal auf eine andere wichtige Kernkompetenz, und zwar die Wundversorgung, die wir noch weiter ausbauen müssen.

Was steckt hinter dem Ausbau der Wundversorgung?

Unsere qualifizierte Wundmanager haben es täglich mit Wundversorgung zu tun, das ist ein zentrales Thema. Zukünftig ist für die Behandlung chronischer Wunden aber zusätzlich ein ausgebildeter Wundtherapeut im Hintergrund erforderlich. Insofern müssen wir den Anforderungen gerecht werden und uns entsprechend aufstellen und qualifizieren. Somit absolviere ich jetzt die 12-monatige Ausbildung zum Wundtherapeuten. So können wir die wichtige Wundversorgung jetzt und weiterhin gut abdecken.

Wie sieht es aus mit freien Kapazitäten für neue Patienten?

Grundsätzlich haben wir noch Möglichkeiten, neue Patienten aufzunehmen. Wie anfangs schon gesagt, schwankt die Patientenzahl immer mal wieder. Wir arbeiten auch eng mit den Krankenhäusern in der Region zusammen. Auch da ist unsere gute Erreichbarkeit übrigens ein Thema, das uns in die Karten spielt.

Was würden Sie gerne noch weiter ausbauen?
Ich persönlich halte an den Plänen für die Palliativversorgung fest, auch wenn die Ausbildung zum Wundtherapeuten jetzt Priorität hat. Außerdem ist Pflegeberatung für mich ein Thema, das ich wahnsinnig gerne ausbauen würde.

Kommen wir nochmal zum Thema Personal. Was glauben Sie, schätzen die Menschen an der Arbeit im Gräflichen Pflegedienst? 
Ich denke, dass sie die Wertschätzung zu schätzen wissen, die wir untereinander zeigen. Wir arbeiten auf Augenhöhe und sind füreinander da. Hinzu kommt, dass die Vergütung fair ist und die Kolleginnen und Kollegen eine gute Balance halten können zwischen Arbeit und Privatem.

Anders als Reha-Kliniken kann der Pflegedienst Pflegefachkräfte ausbilden. Wie sieht es mit freien Ausbildungsplätzen aus?

Im August 2026 möchten wir mit der Ausbildung von zwei Auszubildenden beginnen und haben auch schon einen jungen Mann, der die Ausbildung zum Pflegefachmann dann beginnt. Derzeit leistet er ein Praktikum in der Caspar Heinrich Klinik und eignet sich Grundkenntnisse an. Interessenten sind herzlich willkommen und können sich gerne bei mir melden.

Das Interview ist entstanden für die 38. Ausgabe des Unternehmensjournals der Unternehmensgruppe Graf von Oeynhausen-Sierstorpff.

Vielen Dank für das Interview.